Vorwort.

In jüngster Zeit beginnt man der Familienforschung mehr Beachtung zu schenken, und auch der Heimatbund des Oldenburger Münsterlandes hat sie unter seine Aufgaben aufgenommen. In einer Zeit, die voll ist von zersetzenden, gesellschaftsfeindlichen Bestrebungen, wo mehr als je die Selbstsucht über das Familienleben zu siegen sucht, gilt es, den Familiensinn zu pflegen und sich fester aneinander zu schließen, um in der Familie den festen Gehalt zu gewinnen. Die Familienforschung hat eine hohe ethische Bedeutung. Sie knüpft an ein Empfinden an, das in jeder Menschenbrust lebt, an die Frage nach dem Woher und Wohin, sie trägt altes Zeit- und Familiengut in unser tägliches Tun und enthüllt die unendliche Gebundenheit des einzelnen durch Erbgut, Blut und Abstammung. Wer sieht, was diejenigen vor ihm waren, die mit ihm durch Bande des Blutes verbunden waren, was sie an Werten besaßen, wird auch bestrebt sein, in sich selbst diesen Schatz zu wahren und weiterzugeben.

Wir leben in einer von sozialen Gegensätzen zerklüfteten Zeit. Die früheren stabilen Verhältnisse, wo der Sohn wurde, was der Vater gewesen, sind dahin. Seitdem die bäuerlichen Hörigkeitsverhältnisse beseitigt, alle Schranken in Handel und Verkehr aufgehoben, die Volksbildung allgemein geworden, zeigt sich in allen Ständen ein Streben nach sozialem Aufstieg, damit aber auch die Gefahr der sozialen Gegensätze. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Bauer und Heuermann stehen sich fremd, ja nicht selten feindlich gegenüber. Der eine Stand schließt sich gegen den anderen ab und sucht in einseitiger Weise ohne Rücksicht auf die andern Stände seine Ziele zu erreichen. Diese Gegensätze zu überbrücken, kann auch die Familienforschung ihren Teil beitragen, indem sie die verwandtschaftlichen Beziehungen der Glieder des einen Standes mit denen der anderen Stände aufdeckt und damit das Gefühl der Zusammengehörigkeit weckt und belebt.

Noch ein anderer Umstand läßt uns die Familienforschung als zeitgemäß erscheinen. In früheren Zeiten blieben die Familientraditionen durch Weitererzählen lebendig. Die Jugend von heute hat das Weitererzählen verlernt, und in dem Maße, wie die Zahl der Leute, die sich zur alten Zeit rechnen, abnimmt, fallen auch die alten Familientraditionen der Vergessenheit anheim, wenn nicht die Familienforschung den Zusammenhang mit der Vergangenheit aufrecht erhält.

Die Hauptquelle für die vorliegende Arbeit sind die Kirchenbücher der Pfarre Lohne; sie beginnen mit dem 10. Februar 1683 unter Pastor Süttholt und sind von dieser Zeit bis auf die Jetztzeit vollständig vorhanden. Die Kirchenbücher vor 1683 sind verschwunden, wie Nieberding bemerkt, auf Betreiben des Adeligen Johann von Dorgelo auf Brettberg vernichtet, um eine darin vermerkte Mißheirat zu verdecken. Die Durcharbeitung bietet nicht geringe Schwierigkeiten. Die Handschriften der Pastöre Bernhard Topp (1710-1756) und Bernhard Heinrich Topp (1756 bis 1808) lassen viel zu wünschen übrig. Die größte Schwierigkeit verursacht die Unterscheidung der einzelnen Familien. In keinem Kirchspiel des Amtes Vechta gibt es so viele Familien desselben Namens, wie im Kirchspiel Lohne. Es sind, beziehungsweise waren vorhanden 2 Bauernfamilien Krimpenfort, 2 Brüning, 2 Kreymborg, zwei Kalvelage, 2 Fortmann, 2 Zerhusen, 2 Bokern, 3 Nordlohne, drei Zumbrägel, 4 Krogmann. Das sind alteingesessene Familien, die ohne weitere Unterscheidungsnamen aufgeführt werden. Hinzu kommt noch eine große Anzahl Handwerker, Heuerleute, Kaufleute desselben Namens, ohne nähere Angabe des Standes und Berufes; ferner Ungenauigkeiten in der Benennung. Wird doch, um nur ein Beispiel anzuführen, dieselbe Familie bald als Tombrogel, bald als Brogel, bald als Brogelmann bezeichnet. Genauer werden die Kirchenbücher unter Pastor Illigens seit 1809. Eine willkommene Ergänzung zu den Kirchenbüchern bietet ein unter Pastor Rhaden gelegentlich einer Kirchenvisitation aufgestelltes Personenverzeichnis vom Jahre 1703 (Offizialatsarchiv). Der große Umfang der Kirchengemeinde Lohne, die dadurch bedingte große Entfernung von der Pfarrkirche für die Randbewohner und der Besuch einer näher gelegenen Kirche haben viele verwandtschaftliche Beziehungen in den Nachbargemeinden zur Folge gehabt. Deshalb mußten auch die Kirchenbücher der Gemeinden Vechta, Bakum, Dinklage und Steinfeld herangezogen werden. Die Glaubwürdigkeit der Kirchenbücher hängt ab von der Sorgfalt der einzelnen Pastöre, welche die Eintragungen vollzogen haben, und im allgemeinen kann man den Lohner Kirchenbüchern, wie eine genauere Untersuchung ergeben hat, die Glaubwürdigkeit nicht absprechen. Die ältesten Kirchenbücher weisen allerdings Lücken und Ungenauigkeiten auf. Namentlich verdienen die Angaben über das Lebensalter der Verstorbenen wenig Glauben, da noch keine Taufregister vorlagen und man auf die unsicheren Angaben der Verwandten angewiesen war. So kann man es verstehen, wenn in der Zeit von 1700-1750 20 Verstorbenen ein Lebensalter von 100 Jahren und darüber zugesprochen wird.

Für die Zeit des 16. Und 17. Jahrhunderts liefern die Steuerlisten und Gerichtsakten Material, dagegen für das Mittelalter fließen die Quellen recht dürftig. Einiges fand sich in den von Nieberding zusammengestellten urkundlichen Mitteilungen aus dem Archiv des Hauses Hopen. Für die Zusammenstellung im Anhang wurden die Archive des Katholischen Oberschulkollegiums, des Amtes Vechta und des Vechtaer Amtsgerichts benutzt.

Die vorliegende Arbeit ist nicht rein genealogisch. Der genealogische Gesichtspunkt hat vor dem geschichtlichen vielfach zurücktreten müssen. Dem Verfasser lag daran, auf den alten Höfen die Reihenfolge der Geschlechter nachzuweisen, weshalb auch die Stammhalter durch den Druck von neuem hervorgehoben sind, und da ist bemerkenswert, daß gerade die größten Bauernhöfe des Kirchspiels Lohne aus dem Geblüte gefallen sind; selbst zur Zeit der Eigenhörigkeit, wo man auf das Verbleiben des Hofes im Geblüte großes Gewicht legte.* )

Eine weitere Aufgabe war, das Verwandtschaftsverhältnis der Nebenlinien mit den Hauptlinien aufzudecken. Bei einigen Familien ist dies gelungen, bei anderen nicht, teils wegen ungenauer Überlieferungen, teils weil der Zeitpunkt, wo sich die Nebenlinien von der Hauptlinie getrennt haben, vor dem Jahre 1683 liegt, also vor der Zeit, wo die Kirchenbücher beginnen. Es ist ja doch kein Zweifel, daß Heuerlings-, Eigner-, Kaufmannsfamilien, wie Krogmann, Kalvelage, Trenkamp, Püttmann, Tombrägel, Sieverding, Nordlohne, Zerhusen, Willenborg usw. in ihrem Ursprunge auf die betreffenden Höfe zurückgehen, ja, gerade in diesen Nebenlinien hat sich nicht selten der alte Stamm in männlicher Linie am längsten erhalten.

Nicht alle Familien konnten bei der Arbeit berücksichtigt werden, sondern nur die alten bodenständigen, von den eingewanderten diejenigen, welche durch vieljährigen Aufenthalt heimisch geworden oder in der Öffentlichkeit besonders hervorgetreten sind. Hier eine Grenze zu finden, war nicht leicht. Zudem alle Nebenlinien in ihren Verzweigungen zu verfolgen, würde zu weit führen. Familienstammbäume zusammenstellen, liegt nicht im Rahmen der Arbeit.

Die alphabetische Anordnung wurde gewählt, um das Auffinden zu erleichtern. Dabei wurden die adeligen Familien unter dem Namen der betr. Güter Hopen, Brettberg und Querlenburg, die Brägeler Zeller mit ihren Ableitungen Tombrägel, Tobrägel, Zumbrägel usw. unter dem Namen Brägel, die Nordlohner unter Nordlohne behandelt.

Vorausgeschickt ist ein allgemeiner Teil, der Abhandlungen enthält über Bodenverhältnisse, Besiedelung, soziale Verhältnisse, Bevölkerungsstatistik u. a. Das Material über die Lohner industriellen Unternehmungen verdankt der Verfasser zu einem großen Teil gütigen Mitteilungen der Herren Fabrikanten Aug. Clodius, Holtvogt, Taphorn, Heitmann, Trenkamp und Zerhusen.