N a c h t r a g

"L o h n e r F a m i l i e n"

von

 

Prof. Dr. Clem. P a g e n s t e r t

 

 

Vechta 1929

V o r w o r t

Von mehreren Seiten wurde dem Verfasser der "Lohner Familien" nahegelegt, einen Nachtrag zu liefern, in dem noch einige Familien, die nicht berücksichtigt waren, behandelt würden, und in dem auch Versehen, auf die er aufmerksam gemacht wurde, berichtigt werden können. Leider wurde einer in der Oldenb. Volkszeitung ausgesprochenen Bitte, ihn mit Material zu unterstützen und Wünsche zu äußern, nur wenig entsprochen. Aus diesem Grunde hat der Verfasser die Absicht, das gesammelte Material im Druck zu veröffentlichen, aufgegeben. – Die Zeit, wo man die Familienforschung, wenn nicht als wertlose Spielerei, so doch als anziehenden Zeitvertreib betrachtete, ist vorüber. Die Familienforschung hat vielmehr eine sehr ernste Seite. Man braucht in diesem Zusammenhang nur das Wort Vererbung zu nennen. Geistige und körperliche Anlage vererben sich auf Generationen, können wohl für die eine oder andere Generation latent sein, um dann bei den Nachfahren wieder zum Vorschein zu kommen. Wieviele Menschen müssen nicht büßen für die Sünden ihrer Vorfahren, müssen nicht infolge erblicher Belastung ein Erbstück schlimmster Art mit durch das ganze Leben schleppen! Würde man dies besser erkennen, so würde einerseits unser Urteil über manche Vorkommnisse in den Familien milder sein, andererseits würde man vorsichtiger vorgehen, wo es sich um die Gründung eines Familienstandes handelt und nicht bloß äußere Verhältnisse, wie Geld und Stand, den Ausschlag geben lassen.

Familien haben ihre Schicksale. Was wir im Leben ganzer Völker beobachten, dasselbe sehen wir auch bei einzelnen Familien: Aufstieg, Höhe, Verfall, hier wie dort kein Stillstand; es ist selten, daß sich eine Familie durch mehrere Generationen auf der Höhe hält. Besonders verhängnisvoll sind für den Bestand einer Familie Verwandtschaftsehen, sie haben schon mancher Familie den Untergang bereitet.

In dem vorliegenden Nachtrag kommen vorwiegend eingewanderte Familien: Handwerker, Fabrikarbeiter, Heuerleute zur Behandlung. Da diese nicht selten ihren Wohnsitz ändern, in eine andere Gemeinde abwandern, später wohl auch wieder zurückkehren, so dann von einer lückenlosen Darstellung keine Rede sein. Der größte Teil dieser eingewanderten Familien stammt aus den Nachbargemeinden: Steinfeld, Damme, Holdorf, Dinklage, Bakum, Vechta, Oythe und Lutten. Nur von der Ostseite, von den angrenzenden preußischen Gemeinden Drebber und Diepholz Hat die Gemeinde Lohne von einigen Ausnahmen abgesehen, keinen Zustrom erhalten. Der Grund liegt nicht so sehr in der durch das zwischenliegende Moor bewirkten äußerlichen Trennung und in der Zugehörigkeit zu einem anderen Staatswesen, als vielmehr in der Verschiedenheit der religiösen Bekenntnisse.

Nun noch einige Bemerkungen über die T a u f n a m e n. Man kann in neuester Zeit 2 Extreme beobachten. Auf der einen Seite zeigt sich, vornehmlich in der städtischen Bevölkerung, das Bestreben, möglichst fremd klingende Namen zu wählen. Die alten Heiligennamen zu nehmen, erscheint offenbar zu altmodisch, und so kommt man auf der Suche nach neuen Namen zu solchen, die man vergebens in einem Heiligenkalender suchen würde. Es fehlt da offenbar an kirchlichem Empfinden. Ursprünglich behielten die Erwachsenen, die schon einen Namen hatten, denselben bei der Taufe auch weiterhin, aber schon in den ersten Jahrhunderten kam die Sitte auf, bei der Taufe dem Täufling einen andern Namen zu geben, da ja der Getaufte zu einem neuen Leben wiedergeboren wird. Die Kirche empfahl, den Kindern den Namen heiliger Märtyrer oder alt- und neutestamentlicher Personen zu geben, damit sie den Tugenden derselben stets eingedenk seien und zur Nachahmung angeeifert würden, sie verbot, den Kindern lächerliche Namen, Namen heidnischer Gottheiten oder gottloser Menschen beizulegen. - Auf der anderen Seit hält die ländliche Bevölkerung an den wenigen altüberlieferten Namen fest und entschließt sich nur ungern, den Kindern andere Namen als die in der Familie hergebrachten zu geben, empfindet einen Abscheu gegen die sog. Kose- oder Schmeichelnamen, worin sie eine Art Profanisierung des Heiligen erblickt. Diesem Umstand ist es wohl zuzuschreiben, daß nur selten die h. Gertrud, die Kirchenpatronin von Lohne, als Taufname gewählt wird, man befürchtet es könnte eine "Drüke" daraus gemacht werden. Das Richtige liegt, wie überall, auch hier in der Mitte. Man wähle Namen von Heiligen, beschränke sich aber nicht auf die wenigen althergebrachten, und bevorzuge die Namen deutscher Heiligen, an denen ja doch kein Mangel ist.

Der vorliegende Nachtrag zu dem Hauptwerk "Lohner Familien" ist Eigentum der Lohner Pastorat. Vor Ausleihen der nur in einem Exemplar vorhandenen Arbeit wird dringend gewarnt. Die Erfahrung lehrt, daß entliehene Bücher oder Schriftstücke selten ihren rechtmäßigen Besitzer wiedersehen. Zudem kann sich jeden Augenblick das Bedürfnis einstellen, das mit großer Mühe zusammengestellte Personenverzeichnis einzusehen.

Die in dem Hauptwerk nicht behandelten, in den Nachtrag neu aufgenommenen Familien sind mit * gekennzeichnet. Erg. (Ergänzung) mit der Zahl gibt die betr. Seite in dem Hauptwerk an, ebenso Brg (Berichtigung).

 

 

 

Wohl dem der seiner Väter gern gedenkt,

der froh von ihren Taten, ihrer Größer

den Hörer unterhält und still sich freuend

ans Ende dieser schönen Reihe sich geschlossen bietet.

Göthe