Über Familiennamen und Taufnamen.

F a m i l i e n n a m e n kannte man bis um die Mitte des Mittelalters nicht, sondern nur Personennamen. Der Sohn wurde mit einem andern Namen benannt als der Vater, und der Enkel führte wiederum einen anderen Namen, und so blieb es bis in das 13. Jahrhundert hinein, in den abgelegenen, vom Weltverkehr abgeschlossenen Gegenden, wie im Münsterlande, bis gegen Ende des Mittelalters. Im Kirchspiel Lohne haben erst in der Neuzeit einige Familiennamen eine feste Form angenommen. Wenn man von einigen wenigen Familiennamen absieht, die ihren Ursprung uns unbekannten Anlässen verdanken, so kann man die Familiennamen bezüglich ihres Ursprungs auf 3 Klassen zurückführen.*)

1. Namen, die ursprünglich Ortsnamen waren. Sie sind für die Heimatgeschichte besonders wertvoll, sie sind oft aus Worten gebildet, die in geschichtlicher Zeit nicht mehr gebräuchlich sind, haben sich gehalten, auch wenn die Beschaffenheit der Träger sich änderte, und sind darum besonders geeignet, auf ältere Verhältnisse ein Licht zu werfen. Entweder hat man den Ortsnamen unverändert als Familiennamen übernommen, indem man das Vorwort to wegfallen ließ, wie man für Hinrik to Nordlohne später einfach Heinrich Nordlohne schrieb, oder man hat das Vorwort to mit dem Ortsnamen zu einem Worte verbunden, so aus to Brogel Tobrogel gemacht, oder man hat dem ursprünglichen Ortsnamen ein "mann" hinzugefügt. So wurde aus "im Busche" Buschmann, aus "to Rede" Redemann (Rethmann), aus "von der Heide" Hedemann und Heitmann, aus "uppen Moor" neben Uptmoor auch Moormann u. s. w.

2. Namen, die aus Taufnamen gebildet sind. Wo mehrere Familien einer Ortschaft nahe zusammen wohnten, also leicht Verwechselungen eintreten konnten, hat man meistens den Ortsnamen fassen lassen und aus einem Taufnamen einen Familiennamen gebildet, so in Südlohne Albers, Henke, Stiene, in Schellohne Göttke und Rötgers.

3. Namen, die einem Dienste oder Berufe entnommen sind. Es sind verhältnismäßig wenige, so Scheper, Seeger, Schmidt, Schomaker, Dullweber, Meyer, Schulte.

Früher war es Sitte, daß, wenn ein Kolon durch Erbschaft, Heirat oder Kauf auf einen anderen Hof kam, er den Namen des neuen Hofes annahm. Auf diese Weise haben sich Ortsnamen aus den ältesten Zeiten bis zur Jetztzeit erhalten. Das ist nun anders geworden. Die meisten Besitzer behalten ihren eigenen Familiennamen. Damit verschwinden aber die alten Höfenamen, zunächst aus den offiziellen Listen, allmählich bei unserer schnellebigen zeit auch aus dem Volksmunde.

In mittelalterlichen Urkunden und in den ältesten Kirchenbüchern stoßen wir auf manche T a u f n a m e n , die uns ganz fremdartig anmuten. Eltern geben ihren Kindern mit Vorliebe Kose- oder Schmeichelnamen, früher vielleicht noch mehr als jetzt. Gewöhnlich wurde eine Vor- oder Nachsilbe abgestoßen, die übrig gebliebene Stammsilbe durch Umlaut mundgerecht gemacht und durch ein angehängtes ke oder ken wieder erweitert. So entstanden Namen, die mit den Namen, aus denen sie entstanden sind, kaum mehr eine Ähnlichkeit aufweisen, und wir würden bei manchen ihre erste Form nicht wieder erkennen, wenn nicht die Kirchenbücher uns zu Hilfe kämen. In diesen werden nämlich in den Taufregistern meistens die vollen Taufnamen angeführt, dagegen in den Heirats- und Sterberegistern oft die volkstümlichen Vornamen. Wir können somit durch Vergleiche feststellen, was letztere bedeuten. Ende des 17. Jahrhunderts finden wir viele Namen, die aus dem Alten und Neuen Testamente genommen sind, wohl eine Nachwirkung des Luthertums, das unter Verwerfung katholischer Heiligennamen Ersatz aus der Bibel holte.

Die im Kirchspiel Lohne am häufigsten vorkommenden Taufnamen sind folgende:

Dilleke oder Dilke von Odilia.

Tabe von Tabitha (vergleiche Apostelgeschichte 9, 36).

Debe von Debora (vergleiche Buch der Richter Kapitel 5).

Tobbeke, Tebbe und Tepe von Tobias; auch Tobia (Töbke)

als Mädchennamen.

Fredereke von Friederike.

Frerik von Friedrich.

Tyde, Dirich, Detert von Theodor.

Haneke und Handke von Johann.

Hempe, Hempeke, Hemke von Johanna (oder Hermine?).

Cordt von Conrad.

Lübbe von Lubertus.

Busse von Burghard.

Wibbelt von Wigbert.

Roleff und Rolf von Rudolf.

Balster von Balthasar.

Trine und Trineke von Katharina.

Antrine von Anna Katharina.

Göste von Gustava oder Auguste.

Gustanna von Gustava Anna.

Woltke oder Wolter von Wolfgang.

Wobbeke von Walburgis.

Metteke von Martha und auch Mathilde.

Mechtel von Mechtildis.

Talke von Natalia (Anna Thekla).

Gese und Geseke von Gesina, wird auch für Genovefa gebraucht.

Hilke und Lenke von Helena.

Lücke von Lucia.

Lüke und Ludeke von Ludwig.

Neze von Agnes.

Ewert von Everhard.

Jürgen von Georg.

Elske und Elsabein von Elisabeth.

Alheid von Adelheid.

Kunneke von Kunigunde.

Gekeke, Gebbeke und Gebke von Gertrud.

Pheke, Nenna und Fenneke von Phenenna (Sophia Anna?).

Theke von Dorothea.

Nette von Antonette.

Wilke von Wilhelm.

Marlena von Magdalena.

Tönnies von Anton.

Immeke (Imbke) von Emma.

Immetrudis von Emma Gertrud.

Jobst und Jost von Jodokus.

Menke von Meinhard.

Wessel von Wenzeslaus.

Vehwobbert von Sophia Walburgis.

Arend und Arnd von Arnold.

Godeke und Göttke von Gottfried.

Unter dem münsterschen Fürstbischof Klemens August von Bayern (1719-1761) kam der Namen Klemens August im Münsterlande auf. Einige Taufnamen sind durch die Adeligen, die oft bei den Kindern ihrer Hörigen Patenstelle übernahmen, im Kirchspiel Lohne heimisch geworden, so der Name Herbert Daniel in der Familie Staggenborg, der sich durch 3 Generationen fortpflanzte, durch den Adeligen Herbert Daniel von Haren auf Hopen; ferner der Name Wilhelm Ferdinand in der Familie kl. Kalvelage durch den Drosten Wilhelm Ferdinand von Galen. In neuerer Zeit sind Namen neuzeitlicher Heiligen, wie Aloys, Ignaz, beliebt. Befremdend ist, daß die Lohner Kirchenpatronin Gertrud, im Gegensatz zur früheren Zeit, selten genommen wird. Der früher so viel gebrauchte Name Johann, namentlich in Verbindung als Johann Heinrich, ist fast ganz verdrängt. Der größten Beliebtheit erfreuen sich gegenwärtig Maria und Josef.