Soziale Verhältnisse.

Ackerbau und Viehzucht waren in früheren Jahrhunderten die Haupterwerbsquellen für die Bevölkerung.* ) Der Ort Lohne war ein einfaches Ackerdorf mit den beiden Meierhöfen, gr. Sieverding und einer Anzahl Köttereien. In der Nähe der Kirche hatten sich einige Wirte und Handwerker angesiedelt, die aber gegenüber der Gesamtmasse der Bevölkerung, die ausschließlich von Ackerbau und Viehzucht lebte, fast ganz verschwanden.

Durch höhere soziale Stellung ragte der A d e l hervor. Er trat verhältnismäßig spät, gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts, im Kirchspiel Lohne auf und verteilte sich auf die 3 Güter Hopen, Brettberg und Querlenburg. Auf Gut Hopen saßen die Herren von Dinklage bis 1591, dann von 1591-1793 die Herren von Haren, auf Gut Brettberg vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis 1776 die Herren von Dorgelo, zuletzt Siegmund Carl von Falkenstein (gestorben 1835), auf Gut Querlenburg die Herren von Dorgelo (a. Welpe bei Vechta), von 1660-1721 die Herren von Jemgum aus Norden. Gut Hopen kam 1805, Gut Querlenburg 1721 durch Kauf in den Besitz der Familie von Galen bei Dinklage, Gut Brettberg 1835 durch Kauf in bürgerliche, 1877 in bäuerliche Hände. Da der Besitzer der Güter Hopen und Querlenburg seinen Wohnsitz im Kirchspiel Dinklage hat, ist der Adel aus dem Kirchspiel Lohne verschwunden. Die Adeligen hatten früher viele Vorrechte. Als Burgmänner hatten sie großen Einfluß auf die Verwaltung des Amtes Vechta. In den Kirchspielen, in welchen sie ihren Wohnsitz hatten, übten sie die Mitaufsicht über das Kirchenvermögen aus und nahmen die Rechnungen mit ab, sie waren steuerfrei und hatten das Jagdrecht. Der Besitzer des Gutes Hopen hatte auch das Hoderecht, das heißt die Befugnis, Schutzbriefe zu erteilen. 1699 wollten die Lohner Adeligen sich das Präsentationsrecht auf die Pfarre Lohne aneignen, wurden aber von der kirchlichen Behörde abgewiesen. Der Einfluß des Adels war um so größer, weil er allein neben dem Klerus über eine höhere Bildung verfügte und alle höheren Stellen in Staat und Kirche im Besitz hatte. Aus dem Lohner Adel sind 2 Männer hervorgegangen, die in religiöser Beziehung einen nachhaltigen Einfluß ausgeübt haben, und zwar in entgegengesetzter Richtung: Johann von Dinklage auf Hopen, von 1540-1549 Drost des Amtes Vechta, der Franz von Waldeck bei der Einführung des Luthertums behilflich war, und Otto von Dorgelo auf Brettberg (1565-1624), ein Zögling des Germanikums in Rom, dann Dompropst in Münster und Domherr in Osnabrück, der den Fürstbischof Ferdinand in der Wiedereinführung des katholischen Bekenntnisses unterstützte.

An Alter und Zahl übertraf den Adel der B a u e r n s t a n d , innerhalb dessen es von jeher große Unterschiede gab. Nach der Größe der Höfe unterschied man Ganzerben, Halberben, Kötter (Pferdekötter, Erbkötter, Markkötter), Brinksitzer und Häusler. Nach dem Grade der Markberechtigung wurden 1821 gezählt: 54 Vollerben, 4 2/3-Erben, 6 ½-Erben, 23 1/3-Erben, 10 1/6-Erben, 16 1/8-Erben, 42 zur Mark berechtigte Häusler. Die große Zahl der Vollerben (sogenannte Zeller) rührt daher, daß die oldenburgische Regierung die meisten münsterschen Halberben unter die Zahl der zur Mark vollberechtigten Genossen aufnahm. Nachdem die Marken aufgeteilt sind, hat diese Klasseneinteilung keine Berechtigung mehr. Während des 19. Jahrhunderts kamen zu den alten Bauern noch viele Neubauern hinzu. In altsächsischer Zeit war der Bauernstand frei gewesen. Kriege und in Verbindung hiermit wirtschaftliche Not brachten ihn schon in frühmittelalterlicher Zeit in die Abhängigkeit der Großgrundbesitzer, des Adels, des Landesherrn und der Kirche. Im Kirchspiel Lohne gab es außer Beverborg in Brockdorf am Ende des Mittelalters nicht einen einzigen freien Bauern. Frei geblieben sind die meisten Kötter und Brinksitzer, die erst in spätmittelalterlicher Zeit aufkamen. Die Gesetzgebung des 19. Jahrhunderts brachte dann die Befreiung des Bauernstandes und weiterhin einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung.* )

Zum Bauernstande gehört auch der Stand der H e u e r l e u t e , über dessen Aufkommen schon früher die Rede gewesen ist. Der allgemeine wirtschaftliche Niedergang während des 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts traf besonders hart die Heuerleute. Viele gingen nach Holland zum Torfgraben und Grasmähen (sogenannte Hollandsgänger) oder auf See, brachten auch wohl etwas Geld ins Land, aber auch nicht selten den Keim schleichender Krankheit nach Hause. Lange bestand zwischen Bauer und Heuermann ein patriarchalisches Verhältnis. Der Bauernhof bildete mit seinen Heuerleuten gewissermaßen eine Hoffamilie, wo jeder für den andern eintrat. Als man vor 100 Jahren mit der Aufteilung der Marken begann, hegten einsichtige Männer, wie der Gemeinheitskommissair Nieberding in Lohne, Befürchtungen für die Zukunft der Heuerleute, da diese auf die Benutzung der Marken angewiesen waren, an der Markenteilung aber keinen Anteil hatten. Was man befürchtete, ist nicht eingetroffen. Die Kultivierung der Markengründe setzte nur allmählich ein, die meisten Hofbesitzer waren vernünftig genug, einen Teil der ihnen zugewiesenen Mark den Heuerleuten zur Benutzung zu überlassen. Der Heuerlingsstand hat sich vielmehr sehr gehoben. Manche haben ein beträchtliches Vermögen erworben und sind selbständige Landwirte geworden. Viele tüchtige Mitglieder des Klerus, des Lehrer-, Beamten- und Kaufmannsstandes stammen aus Heuerhäusern, zugleich ein Beweis, daß der Heuerlingsstand kein Hindernis bildet für sozialen Aufstieg. In neuerer Zeit ist das patriarchalische Verhältnis zwischen Bauer und Heuermann leider verschwunden. Gründe für diese Erscheinung liegen in den Zeitverhältnissen. Das Standesbewußtsein des Bauern ist, seitdem er nach Beseitigung aller gutsherrlichen Lasten und Pflichten nach Belieben auf seinem Hof schalten und walten kann, sehr gestiegen, Söhne und Töchter erhalten auf höheren Schulen eine weitere Ausbildung. Auf der anderen Seite beeinflußt das alle Stände beherrschende Selbständigkeits- und Unabhängigkeitsgefühl auch den Heuermann. Sein letztes Streben geht nach Eigenbesitz.

Neben Ackerbau und Viehzucht kamen seit Anfang des 19. Jahrhunderts im Kirchspiel Lohne H a n d e l und I n d u s t r i e als neue Erwerbszweige hinzu. Das erste industrielle Unternehmen war die Federfabrikation, die Kunst, aus Gänsekielen Schreibfedern herzustellen. Wer den ersten Anstoß hierzu gegeben hat, steht nicht fest. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebte in Zeller gr. Bramlages Leibzucht an dem Wege von Lohne nach Dinklage ein Bernard Kreymborg, dessen Sohn Gerhard Heinrich sich als Federfabrikant in Lohne niederließ. Nach einer Nachricht soll letzterer von einem aus dem Elsaß stammenden Wilhelm Brauer die Bearbeitung der Gänsefedern erlernt haben, nach anderen Nachrichten haben französische Offiziere zum Danke für gute Verpflegung das Geheimnis verraten, wie man Gänsefedern härten und zum Schreiben geeignet machen könne. Die Federfabrikation nahm mit der Zeit einen großen Aufschwung. Heinrich und Fritz Kreymborg, Söhne des Diedrich Kreymborg in Brockdorf, des Bruders des Gerhard Heinrich Kreymborg, kamen als Fabrikanten nach Bremen, während die Söhne des Gerhard Heinrich Kreymborg, Josef und Franz, die Fabrikation in Lohne fortsetzten. 1836 waren in Lohne 4 Federfabriken. Reisende brachten nicht allein nach vielen Gegenden Deutschlands, sondern auch nach Holland, Österreich, Italien, Frankreich und der Türkei Lohner Fabrikate. Gleichwohl war die Federfabrikation nicht von langer Dauer, sie konnte sich nach Einführung der englischen Stahlfedern nicht halten. Das führte zum Aufkommen anderer Erwerbszweige, zur Tabak-, Kork-, Pinsel- und Bürstenfabrikation.

Schon im Jahre 1809 war in Lohne eine T a b a k f a b r i k gegründet worden, wofür das Rohmaterial durch Bremer Rohtabakhändler eingekauft wurde, die dann 1832 durch eine Zigarrenfabrik erweitert wurde, jedoch 2 Jahre später wegen Mangels an Absatz wieder einging. Im Jahre 1844 machten dann Heinrich und Fritz Kreymborg in Bremen und Josef und Franz Kreymborg in Lohne gemeinschaftliche Geschäfte unter der Firma "Gebrüder Kreymborg in Bremen" und unter der Firma "G. H. Kreymborg in Lohne". 1851 trennte sich Heinrich Kreymborg in Bremen von den 3 anderen und setzte das Geschäft für alleinige Rechnung unter der Firma "Gebrüder Kreymborg in Bremen" weiter fort, während die 3 anderen unter der Firma "Kreymborgs Erben in Bremen" und "G. H. Kreymborg in Lohne" bis 1854 vereinigt blieben. Die Firma "Kreymborgs Erben in Bremen" errichtete durch Fritz und Richard Kreymborg, Söhne des Fritz Kreymborg in Bremen, 1852 in London und 1853 in Newyork Geschäfte. In der Fabrik des Heinrich Kreymborg in Bremen hatte ein Zigarrenmacher Friedrich August Clodius gearbeitet, sich aber dann mit dem Sortierer Hermann Wellensiek selbständig gemacht. Da letzterer als Ausländer Bremen verlassen mußte und nach Bünde zog, wo er der Gründer der großen Zigarrenfabrik Steinmeister und Wellensiek wurde, wandte sich Clodius wieder an seinen früheren Prinzipal Heinrich Kreymborg. Dieser schickte ihn 1845 zur Gründung einer Zweigfabrik nach Lohne. Unter anfangs schwierigen Arbeitsverhältnissen, da die Lohner Eingesessenen nichts von der Tabakbearbeitung verstanden, nahm die Fabrik nach 2 Jahren einen großartigen Aufschwung, so daß damals über 200 Arbeiter beschäftigt wurden. Infolge großer Verluste, welche die Bremer Firma Kreymborg hatte, mußte 1854 die Lohner Zigarrenfabrik aufhören. Clodius machte sich nun selbständig, kaufte das Haus des ehemaligen Vogts Nieberding und begann mit 8 Arbeitern. Hatte sich die Zigarrenfabrikation mit Hilfe von hausindustriellen Arbeitern entwickelt, so trat später die Hausindustrie hinter die Fabrikarbeit zurück. Mit der Zeit wurden Filialen in Vechta, Südlohne und Steinfeld gegründet. Seit 1861 waren Inhaber der Firma Josef Clodius (gestorben 1920) und Anton Engelmann (gestorben 1905), seit 1907 Anton Engelmann jr. und August Clodius, zu denen 1910 Friedrich Clodius hinzutrat. - Zu der Firma Clodius und Engelmann kam 1902 die Firma Gebr. Burhorst (August Burhorst [gestorben 1908] und Theodor Burhorst) hinzu, 1904 die Firma Gebr. Heseding (Inhaber Anton Heseding und Heinrich Heseding, seit 1921 alleiniger Inhaber Anton Heseding), 1914 die Firma Gebr. Hackmann (Inhaber Arn. Hackmann und August Hackmann). Einige kleinere Betriebe beschäftigen zeitweise 1 bis 2 Arbeiter. Andere Firmen wie A. Busch und Engelbert Kalbhenn und Gebr. Haller sind wieder verschwunden.

Gleichzeitig mit der Tabakfabrikation fand auch die K o r k f a b r i k a t i o n im Kirchspiel Lohne große Ausbreitung. Die erste Korkfabrik gründete 1842 Franz Bramlage; sie wurde nach dessen Tode 1876 von seinem Schwager Friedrich Taphorn weitergeführt (seit 1918 Inhaber Friedrich Taphorn und Fritz Taphorn). Zur Zeit, als eine Bahnverbindung mit Bremen noch nicht bestand, wurden die Korkhölzer mit dem Gespann von Bremen und Hamburg abgeholt, seit Eröffnung der Bahn in Waggonladungen bezogen. Die ersten Arbeiter kamen aus Delmenhorst. Die Korke wurden anfangs mit der Hand geschnitten, es konnte ein geübter Arbeiter täglich 1500-1800 Korke schneiden. Vor etwa 40 Jahren wurden die ersten Korkschneidemaschinen aus Frankreich eingeführt, die Maschine leistete 6-7000 Stück Korke bei neunstündiger Arbeitszeit. Später wurden noch andere Maschinen, wie Bohrmaschinen, aus Kopenhagen bezogen, mit denen sich die Leistung sogar verdoppeln ließ. Absatzgebiete der Fabrikate sind das Deutsche Reich, Österreich, Serbien, Rumänien, Dänemark und Südamerika. Die Korkabfälle werden größtenteils in den Linoleumfabriken in Delmenhorst zu Linoleum verarbeitet, auch wohl für Isolierzwecke verwendet. Aus der Fr. Bramlageschen Fabrik haben sich mit der Zeit andere Betriebe entwickelt, so die Korkfabrik B. Beckmann u. Co. (seit 1885 Inhaber B. Beckmann und Franz Meyer), die Fabriken Niehaus u. Meyer, Trenkamp u. Bohmann (Inhaber Oskar Trenkamp [gestorben 1913] und Franz Bohmann, jetzt alleiniger Inhaber Franz Bohmann). Im ganzen werden in der Lohner Korkindustrie gegenwärtig etwa 200 Arbeiter beschäftigt.

Zu den alten industriellen Unternehmungen gehört auch die W o l l s p i n n e r e i Engelmann und Bramlage. Die ersten Inhaber waren Anton Bramlage und Bernhard Engelmann. Für Anton Bramlage trat später dessen Schwiegersohn Heinrich Rösener, und für Bernhard Engelmann (gestorben 1906) dessen Sohn Louis Engelmann ein. Nach dem Tode des Heinrich Rösener (gestorben 1918) und Louis Engelmann (gestorben 1917) sind Teilhaber die Geschwister Anton Rösener, Pastor in Jever, Friedrich Rösener, Maria Rösener, Ehefrau Schnorbusch, und Frau Clodius geborene Elisabeth Rösener. Seit einiger Zeit ruht der Betrieb.

Im Jahre 1825 gründeten die Brüder Joh. Heinrich und Josef Krogmann zunächst eine Fabrik zur Herstellung von Schreibfedern aus Gänsekielen, von Oblaten und Siegellack unter der Firma Gebr. Krogmann. Nach dem Tode des Josef Krogmann wurde 1835 Gerhard Henrich Bramlage als Teilnehmer aufgenommen und die Firma in Gebr. Krogmann und Bramlage umgeändert. Das Absatzgebiet der Fabrikate erstreckte sich über ganz Deutschland, Österreich, Norditalien und Luxemburg. Nach Einführung der Stahlfedern mußte die Fabrik einen weiteren Fabrikationszweig aufnehmen. 1861 wurde die P i n s e l f a b r i k a t i o n begonnen mit einem Meister und 6 Gesellen, die von Nürnberg kamen. Für den ausgeschiedenen Teilhaber Bramlage trat 1864 Anton Hoyng ein. Hergestellt wurden vorzugsweise Ringpinsel, Deckenbürsten, Weißquasten und ähnliche Artikel; die Arbeiterzahl stieg bis 1890 auf ungefähr 60. Das Geschäft wurde nach dem Tode des Gründers von dessen Witwe, seit 1886 von dessen Sohne Richard Krogmann und dem Teilhaber Hoyng mit immer wachsendem Erfolge fortgesetzt. Als die Inhaber Richard Krogmann und Anton Hoyng 1897, beziehungsweise 1902 verstorben waren, kaufte H. Holtvogt aus Vechta das Geschäft und richtete es durch Neubau 1905 und in erweitertem Umfange 1912 gemäß den Zeitansprüchen völlig neu ein. Das jetzige Absatzgebiet ist Deutsches Reich, Holland und Skandinavien. - 1912 errichteten auch die Brüder Carl und August Burhorst eine Pinsel- und Bürstenfabrik in Lohne.

Der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört auch die Gründung der L e d e r f a b r i k und L e d e r g r o ß h a n d l u n g Zerhusen an. Gründer waren Gerhard Heinrich Zerhusen und der Mühlenbesitzer Josef Bramlage im Jahre 1834. Der Betrieb entwickelte sich aus den kleinsten Anfängen zu seiner jetzigen Bedeutung und war einer der ersten im südlichen Oldenburg, der sich die Dampfkraft zunutze machte. Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Josef Bramlage nach Amerika auswanderte, wurde Zerhusen alleiniger Inhaber der Firma. In den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts war eine Spezialität der Firma die Gerbung von Oberleder aus argentinischen Häuten, das zur Herstellung von dauerhaftem Schuhwerk sehr gesucht war. Als aber durch das Aufkommen der feineren Ledersorten das Roßleder fast ganz vom Markte verdrängt wurde, gab die Firma diesen Erwerbszweig auf und ging zur Fabrikation von Sohlenleder in reiner Eichenlohgrubengerbung über und hat diesen Geschäftszweig als Spezialität beibehalten. Das Hauptabsatzgebiet sind die Provinzen Hannover, Rheinland und Westfalen. 1921 wurde ein Verkaufsladen in Münster i. W. eröffnet, und seit dieser Zeit erfolgt der Verkauf und Versand der Fabrikate von Münster aus. Herbst 1924 brannte ein großer Teil der Fabrik nieder, dafür sind mit den modernsten Einrichtungen ausgerüstete Neubauten errichtet. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten beträgt ungefähr 20.

Ein anderes weitbekanntes industrielles Unternehmen ist die T r e n k a m p s c h e M a s c h i n e n f a b r i k , ursprünglich Firma von der Heide und Trenkamp. 1868 trat Joh. Heinrich von der Heide aus, und Clemens August Trenkamp aus Brockdorf übernahm als alleiniger Inhaber unter der Firma Carl Adolf Trenkamp das Geschäft. Anfangs wurden 15-20 Arbeiter beschäftigt. 1889 wurde die Fabrik von Carl Adolf Trenkamp mit rund 25 Arbeitern übernommen, 1898 wurde sie durch Anlage einer Eisengießerei erheblich vergrößert, so daß 1900 etwa 60 Arbeiter beschäftigt werden konnten, und da der Absatz bis 1914 stetig stieg, 1913 rund 75 Arbeiter tätig waren. Infolge der schlechten Lage der Landwirtschaft in der Nachkriegszeit, die durch die Geld- und Kreditnot sowie durch die enorme Steuerlast noch verschärft wurde, konnte der Betrieb nicht voll aufrecht erhalten werden, so daß gegenwärtig nur noch 60 Arbeiter Beschäftigung finden. Hergestellt werden in der Fabrik Dreschmaschinen mit und ohne Reinigung, Göpel, Trommelhäckselmaschinen, Futter- und Rübenschneider sowie Schrotmühlen. In neuester Zeit ist bei der Ausbreitung der Elektrizität in landwirtschaftlichen Bezirken große Nachfrage nach Trenkampschen Motordreschern. Das Hauptabsatzgebiet ist Oldenburg, Hannover, Westfalen, Lippe, Schleswig-Holstein und Holland.

Ein dem Trenkampschen ähnliches Unternehmen war die Maschinenfabrik Hölzen und Trenkamp (Inhaber Wilhelm Hölzen und Hermann Trenkamp). Die Firma ist jedoch 1926 aufgelöst, und Wilhelm Hölzen setzt den Betrieb allein fort. Einen Teil der Fabrikgebäude hat die Stadt angekauft und für die 1925 gegründete Handelsschule eingerichtet.

Unternehmungen neuester Zeit sind Fahrrad- und Motorradfabriken. Genannt seien die Firmen Anton Püttmann, Gebr. Weghoff, Vahling und Krogmann, Franz Römann und Asbre, Honkomp, Tobrägel und Tabke, letztere bekannt unter dem Namen Hitalo. Deren erste Inhaber waren Bernhard Hinners Tobrägel und Georg Tabke. Nach dem Tode des ersteren (gestorben 1911) trat in die Firma Alwin Hinners Tobrägel ein, seit 1911 war Georg Tabke alleiniger Inhaber, nach dessen Tode (gestorben 1926) setzt die Witwe das Geschäft weiter fort. Filialen sind in Jever, Cloppenburg und Delmenhorst. Auch die Zahl der Tischlereien hat sich in neuester Zeit vermehrt. Zu den älteren Möbelfabriken Hoyng, Emke, Zumbrägel kamen hinzu Hövemann, Hartmann, Kröger, Bojes.

Im Jahre 1885 übernahmen die beiden Gesellschafter Richard Heitmann und Elimar Krogmann unter der Firma Heitmann und Krogmann eine W e i n h a n d l u n g und L i k ö r f a b r i k . Das Geschäft war schon etwa 5 Jahre vorher unter der Firma G. H. Bramlage unter der Leitung von Richard Heitmann gegründet worden und wurde dann später durch die Firma Heitmann und Krogmann von der damaligen Inhaberin Cath. Bramlage käuflich erworben. 1890 wurde das Geschäft durch Hinzufügung einer Mineralwasserfabrik erweitert. Die Waren wurden anfangs mit Fuhrwerk durch das oldenburgische Münsterland und einen großen Teil Hannovers der Kundschaft zugeführt, jetzt ist zu diesem Zweck ein Auto angeschafft. Alt und bekannt ist auch die Weinhandlung von Römann. 1911 eröffneten Joh. Bernard Beckmann und Franz Friedrich Beckmann in Lohne eine Likörfabrik. In Rießel erstand in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Strohhülsenfabrik Ferdinand Schaland und Clemens Tölke. Für Ferdinand Schaland trat 1906 Friedrich Schaland ein, der gegenwärtig, da Tölke austrat, alleiniger Inhaber ist.

Wenn wir sämtliche industriellen Unternehmungen in Lohne (Stadt und Land) nach dem Stande des Jahres 1903 zusammenfassen, so ergibt sich folgende Übersicht: 8 Zigarrenfabriken, zwei Pinselfabriken, 5 Korkfabriken, 1 Spinnerei, 6 Ziegeleien, 1 Wurstfabrik, 4 Dampfkornbrennereien, 2 Mineral- und Champagnerfabriken, 1 Flaschenhülsenfabrik, 3 Dampfmühlen, 3 Dampflohgerbereien, 1 Dampftischlerei und Sägewerk, 1 Dampfsägewerk nebst Mahlmühle, 2 Maschinenfabriken mit Dampfbetrieb, eine Eisengießerei, 1 Zementfabrik mit Zementgießerei und 1 Torfwerk.

Durch diese industriellen Unternehmungen sind in die frühere bäuerliche Bevölkerung mit den Fabrikanten- und Arbeiterfamilien ganz neue Volksschichten gekommen. Der Ort Lohne erhielt ein mehr städtisches Aussehen und 1907 auch Stadtrechte. Die Köttereien in Lohne sind bis auf einige wenige verschwunden. 1852 zählte das Kirchspiel Lohne 132 Zigarrenarbeiter, 12 Korkschneider; 1890 154 Tabakfabrikarbeiter, 39 Drechsler und Korkschneider, 39 Bürstenmacher, 27 Spinner und Spuler; 1903 wurden im Kirchspiel Lohne 728 Arbeiter gezählt; 1923 hatte die Stadt Lohne 574 Industriearbeiter und 21 Fabrikanten. Die meisten Industriearbeiter sind jedoch im Nebenberuf auch Landwirte, entweder haben sie etwas Land im Eigenbesitz, oder sie haben Land gepachtet. Andererseits gibt es auch Landwirte, die im Nebenberufe Fabrikanten sind, Umstände, die nicht wenig zur Milderung der sozialen Gegensätze beitragen. Infolge der neuen Entwicklung hat sich das Zahlenverhältnis der in der Landwirtschaft, Industrie und Handel Beschäftigten zu ungunsten der Landwirtschaft verschoben. Es waren beschäftigt:

in der Landwirtschaft 1861 3123 (74,5 %), 1890 2419 (54,9 %),

in der Industrie          "         785 (18,07 %), "      1276 (29,0 %),

im Handel                  "         200 ( 4,8 %), "          280 ( 6,3 %).

Eine weitere Folge der modernen Entwicklung ist das Anwachsen der nicht angesessenen Bevölkerung, das heißt der Familien, die weder Haus noch Land als Eigenbesitz haben, gegenüber der angesessenen Bevölkerung. 1895 betrug die Zahl der nicht angesessenen Bevölkerung, wozu auch eine große Zahl Heuerleute auf dem Lande gehört, 2859 (62,7 %), der angesessenen Bevölkerung 1699 (37,6 %).

Mit dem Wachsen der Bevölkerung nahm auch die Zahl der Handwerker und Dienstboten zu.

Es waren vorhanden:

1703 11 Schneider, 8 Schuster, 7 Zimmerleute, 117 Dienstboten,

1890 50 Schneider, 28 Schuster, 20 Zimmerleute, 306 Dienstboten.