Frochtmann

 

Zeller in Bokern, bis 1459 eigenhörig an die Landesherrschaft, dann an Haus Bakum, zuletzt an Südholz-Rhaden, 1742 frei. Name ursprünglich Wrochthus, so 1322 Willkinus in Wrochthus, 1498 Wrochtmann (1535 Gerd ton Wrochthus), Anfang des 17. Jahrhunderts Frochtmann. Das Wort Wruchte oder Wrechte bedeutet Einzäunung, Wrochthus ist die aus der Mark ausgeschiedene und in Privatbesitz übergegangene Hofstelle.

 

Im Münsterlande gibt es noch eine Frochtmanns Stelle in Hamstrup, Kirchspiel Lastrup. Bei beiden Stellen ist eigentümlich die einsame Lage und der große Umfang.

 

             Zeller Heinrich Frochtmann und Anna Hoping, kopuliert 1685.

 

                         Kinder 1685 Thekla (gestorben 1773, ledig); 1692 Heinrich (gestorben

                                                   1736, ledig).

                                        1696 Theodor Otto (gestorben 1743), kopuliert 1729 mit Sophia

                                                    Marg. Pagenstert.

                                        1699 Anna (gestorben 1763, ledig).

                                        1702 Dorothea Elisabeth, kopuliert 1741 mit Gerhard gr. Brüning

                                                    aus Brockdorf, siehe Seite 85.

                                        1711 Johann, Vikar in Bakum (1736-1754).*)

 

            Zeller Gerhard gr. Brüning und Dorothea Elisabeth Frochtmann (gestorben

            1763).

 

                        Kinder 1744 Elisabeth (gestorben 1749).

 

            Zeller Gerhard gr. Brüning (2. Ehe, gestorben 1787) und Antonette Meister-

            mann aus Bakum, kopuliert 1764.

 

                        Kinder 1765 Gerhard (gestorben 1840 in Frochtmanns Heuer).

                                      1767 Joh. Heinrich; 1771 Bernard (gestorben 1830 in Oldendieks

                                                   Heuer).

                                      1774 Margarethe; 1779 Heinrich.

 

Vikar Johann Frochtmann hatte die von ihm freigekaufte Stelle, da das einzige Kind seiner mit Gerhard gr. Brüning verheirateten Schwester im Alter von 5 Jahren gestorben war durch Testament an ein Kind seines auf die Pagensterts Stelle geheirateten Bruders Theodor Otto, zunächst an Maria Elisabeth Pagenstert, und als diese unverheiratet starb, an Joh. Heinrich Pagenstert vermacht, der auch die Pagensterts Stelle erbte. Da aber Gerhard Brüning nach dem Tode seiner 1. Frau mit der Räumung der Frochtmanns Stelle zögerte, kam es zu einem langen Prozeß zwischen ihm und dem Zeller Joh. Heinrich Pagenstert, der auch nach dem Tode des Gerhard Brüning (gestorben 1787) von seiner 2. Frau Antonette Meistermann fortgeführt wurde, schließlich aber 1796 mit einem Vergleich endete, wonach Pagenstert die Frochtmanns Stelle erhielt, das peculium (Vieh, Früchte etc.) zwischen Pagenstert und den Brüningschen Erben geteilt wurde. Die Familie Frochtmann pflanzt sich in männlicher Linie in der Familie Pagenstert weiter fort. Besitzer der seit 1796 verpachteten Stelle waren :

 

Joh. Heinrich Pagenstert (gestorben 1797) und Kath. Koldehoff (gestorben 1800) in Bokern.

Ignaz Pagenstert (gestorben 1853) und Lucia Schiplage (gestorben 1832) in Bokern.

Klemens Pagenstert (gestorben 1879) und Maria Anna Kokenge (gestorben 1895) in Bokern.

Gottfried Pagenstert (gestorben 1920) und Johanna Vehorn (gestorben 1911) auf Vehorns Stelle in Westerbakum.

Ignaz Pagenstert und Maria Nieske in Westerbakum seit 1920.

 

Pächter auf der Frochtmanns Stelle waren Gerd Bünnemeyer, von 1818-1823 Karl Hackmann, von 1823-1867 Heinrich Mönnig, von 1867 an Bernard Schwerter, jetzt Heinrich Rethmann.

 

Mehrere Nebenlinien der Frochtmanns Familie gab es während des 17.. und 18. Jahrhunderts im Kirchspiel Bakum. Ein Heinrich Frochtmann (gestorben 1745, 61 Jahre, kopuliert 1711 mit Kath. Elisabeth von Tribbe) war Vogt in Bakum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



*) Vikar Johann Frochtmann, der erste Vikar der 1736 errichteten Nepomuk-Vikarie in Bakum, ein rühriger, schaffensfreudiger Mann, war nebenbei auch Rentmeister auf dem Hause Bakum (von Ascheberg). 1742 kaufte er die an Gut Südholz-Rhaden eigenhörige Frochtmannsche Stelle mit 2000 Rthl. frei, kaufte dann das Gut Südholz-Rhaden für die Kirche und Armen in Bakum und Vestrup; einen Teil des Gutes vereinigte er mit der angrenzenden Frochtmanns Stelle (jetzt 108 ha groß), - erhob diese zu einem Familienfideikommiß und verordnete in seinem Testamente, das der Besitzer der Frochtmanns Stelle jährlich eine Summe Geldes für einen Theologiestudierenden der Familie zurücklegen müsse. Diese Anordnung ist durch die 1914 errichtete „Frochtmanns Stiftung“ dahin erweitert worden, daß aus ihr auch Universitätsstudenten anderer Fakultäten, die aus der Kirchengemeinde Lohne gebürtig sind, eine Unterstützung erhalten können. Vikar Frochtmann starb im besten Mannesalter, 44 Jahre alt, am 25. Februar 1754, nach einer später eingetragenen Notiz des Bakumer Kirchenbuches infolge eines Sturzes vom Bodenraume des Hauses Südholz-Rhaden.