Allgemeiner Teil.

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Bodenverhältnisse und Verwandtes.

Das alte Kirchspiel Lohne [90,48 qkm groß, seit 1907 die politischen Gemeinden Stadt Lohne (4,54 qkm) und Land Lohne (85,94 qkm)] umfaßt den nördlichen Teil der Dammer Hügelkette, den Ostabhang bis in das Moor hinein und einen großen Teil des Westabhanges. An der ganzen Ostgrenze ist Hochmoor (Brägeler, Lohner, Südlohner und Ehrendorfer Moor), im Südwesten (Brockdorf) schwerer, in den übrigen Teilen leichter Sandboden. Die höchste Erhebung ist der Windberg an der Südgrenze mit 79,8 m, der niedrigste Punkt im Nordwesten im Bockhorster Moor 27,1 m, der Grevingsberg bei Lohne ist 70,1 m, die Türschwelle des Lohner Kirchturms 46,0 m hoch. Der das Kirchspiel durchziehende Hügelrücken bildet die Wasserscheide zwischen Hunte und Hase. Die von dem wasserreichen Südwest bestrichene Westabdachung ist reich an Quellen, deren Wasser durch den Bokerner, Hopener und Trenkamps Bach zur Hase abfließen. Begrenzt wird das Kirchspiel im Norden von den Gemeinden Vechta und Bakum, im Osten von der Provinz Hannover, im Süden von der Gemeinde Steinfeld und im Westen von der Gemeinde Dinklage. Letztere schneidet mit dem Bockhorster Moor zwischen den Bauerschaften Brockdorf und Bokern tief in das Kirchspiel Lohne ein, jedoch wurde hier 1884 bei der Aufteilung des Bockhorster Moores eine Grenzveränderung vorgenommen. Eingeteilt wurde das Kirchspiel Lohne in früheren Jahrhunderten in 4 Bauerschaften: Loene, Erentorpe, Bockhorne und Kalvelage; letztere Bauerschaft, die von 1677-1836 politisch zur Herrlichkeit Dinklage gehörte, kirchlich bei Lohne blieb, erhielt den Namen Brockdorf. In neuerer Zeit zählte man 8 Bauerschaften: Lohne, Nordlohne, Ehrendorf, Südlohne, Bokern, Märschendorf, Brockdorf I und Brockdorf II (das ehemalige Kalvelage). 1907 wurde der Ort Lohne als selbständiges Stadtgebiet ausgeschieden. Von der Umgebung wurde noch hinzugenommen gr. Sieverding, ein Teil von Rießel, ein Teil von Lohnerwiesen, von Schellohne, Moorkamp und die Krekelei. Die Landgemeinde wurde in 10 Bezirke eingeteilt: Rießel (wozu der größte Teil von Rießel, von Lohnerwiesen und Meyerfelde gehören), Brägel, Ehrendorf, Südlohne I und Südlohne II, beide letztere getrennt durch die Lohne-Steinfelder Chaussee (östlich Südlohne I und westlich Südlohne II), Nordlohne, Bokern, Märschendorf, Brockdorf I und Brockdorf II.* )

Wie groß der Privatbesitz im Mittelalter gewesen ist, läßt sich wegen Mangels genauerer Nachrichten nicht mehr feststellen. Erst im 16. Jahrhunderte bringen die Steuerlisten etwas Licht in diese Frage. Die Größe des Gartens wurde nach Scheffel Linsaat, die der Ackerländereien nach Scheffel beziehungsweise Malter Einsaat Roggen, die der Waldungen nach der Zahl der Schweine, die auf die Mast getrieben werden konnten, der Umfang der Wiesen nach der Zahl der Fuder Heu, die eingeerntet wurden, berechnet. Danach hatte um 1600 gr. Brüning in Brockdorf den größten Ackerbesitz mit 13-14 Malter Einsaat, ihm kommt am nächsten gr. Fortmann in Südlohne mit 10 Malter. Die anderen größeren Bauern hatten 6-8 Malter, die mittleren 3-6 Malter Einsaat. Bartels-Krimpenfort hatte einen Garten von 5 Scheffel Linsaat, 8½ Malter Einsaat Acker, Holz für Mast von 12 Schweinen, Grasland von 16 Fuder Heu. Das 19. Jahrhundert brachte mit der Aufteilung der Marken große Veränderungen in den Besitzverhältnissen. Abgesehen von der Brockdorfer Mark, wo der Graf von Galen den 3. Teil (tertia marcalis) erhielt, weil Brockdorf früher zur Herrlichkeit Dinklage gehört hatte, zog in den anderen Marken der Staat die Tertia, wozu er sich das Recht aus dem früheren Markenrichteramte herleitete, veräußerte aber diesen ihm zufallenden Teil zum großen Teil an Neubauern. Der größte Teil der Marken ging in den Alleinbesitz der berechtigten Markgenossen über, die dadurch einen großen Zuwachs an Grundbesitz erhielten, der aber noch durch Bearbeitung nutzbringend gemacht werden mußte.

1894 waren im Privatbesitz 8088 ha, im staatlichen Besitz 25,5 ha, im Gemeindebesitz 16,0 ha, im Besitz der Kirche und Schulen 115,1 ha, der übrigen Körperschaften 495,0 ha. Der Privatbesitz war in folgender Weise verteilt:

139 Private hatten Grundbesitz unter 0,5             ha d. i. 0,3 %,

53 "     "         "         von 0,5 - 1                " "       0,5 %,

55 "     "         "         "         1         - 2                  " "       0,9 %,

81 "     "         "         "         2         - 5                  " "       3,5 %,

64 "     "         "         "         5         - 10                " "       5,7 %,

46 "     "         "         "         10      - 20                " "       7,9 %,

21 "     "         "         "         20      - 40                " "       7,0 %,

67 "     "         "         "         40      - 100              " "       58,4 %,

9 "       "         "         "         100 ha u. darüber,   "         15,8 %

der Gesamtfläche des Privateigentums.

Welche Fruchtarten sind in früheren Jahrhunderten gebaut worden? In vorgeschichtlicher Zeit hat man wilde Feldwirtschaft getrieben. Viehzucht war die Haupterwerbsquelle. Das deutet noch jetzt das Wort Acker an, das ursprünglich Viehtrift bedeutet und mit der Zeit auf den Körnerbau übertragen wurde. Hirse und Hafer werden die ersten Fruchtarten gewesen sein; um Christi Geburt begann der Roggenbau. Roggen und Hafer, die an Klima und Boden keine große Ansprüche stellen, blieben die Hauptfruchtarten, Roggen für den höher gelegenen leichten Sandboden, Hafer in den feuchten, niedrig gelegenen Gegenden. Infolge Entwässerung trat jedoch mit der Zeit ein Wandel ein. Gegenden, wie Brockdorf, Märschendorf, Bokern, die früher wegen übergroßer Nässe keinen Roggen bauen konnten, erhielten mit der Zeit infolge künstlicher Entwässerung guten Roggenacker. Immerhin wurde noch während des 16. und 17. Jahrhunderts in den genannten Bauerschaften mehr Hafer als Roggen gebaut. In welchem Umfange man früher Buchweizen, der auf leichtem Sand- und Moorboden gedeiht, aber gegen Frost empfindlich ist, gesät hat, läßt sich nicht mehr feststellen. Allgemein war früher der Flachsbau, so daß die Größe des Gartens nach der Zahl der Scheffel Linsaat berechnet wurde. Seit gut hundert Jahren ist die aus Amerika stammende Kartoffel zu einem unentbehrlichen Nahrungsmittel geworden. Nachdem die alten Waldungen ausgerodet waren, blieb Lohne und Umgebung lange holzarm. Die Schafzucht ließ in den Marken keine Holzart aufkommen. Angepflanzt und gepflegt wurde auf den Gütern und Höfen die Eiche wegen der Mast für die Schweine. Die münsterische Regierung war auf die Erhaltung der Eichenbestände wohl bedacht. Wer einen Eichbaum fällte, mußte an derselben Stelle wieder junge Eichen anpflanzen und zum Wachstum bringen. Nadelholzwaldungen hat es in vorgeschichtlicher Zeit auch gegeben. Das beweisen die Kienstubben in den Mooren und die für die Bohlwege in den Mooren verwendeten Hölzer. Später war das Nadelholz ganz verschwunden. Als in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts die münsterische Regierung zum Eindämmen der Flugsande die Föhre anpflanzen wollte und den Samen unentgeltlich lieferte, fand sie von Seiten der Bevölkerung wenig Entgegenkommen, da man die Heiden für die Schafweide zu erhalten suchte. Erst allmählich lernte man den Wert der Tanne, wie die Föhre fälschlich genannt wurde, schätzen. 1894 waren im Kirchspiel Lohne 200 ha mit Laubholz, 150 ha mit Nadelholz besetzt.

In welchem Umfange die einzelnen Kulturarten Ende des vorigen Jahrhunderts im Kirchspiel Lohne verbreitet waren, zeigt folgende Übersicht. Im Durchschnitt der Jahre 1891 bis 1895 waren

                        1495 ha mit Roggen,

                         369 " " Hafer,

                         233 " " Kartoffeln,

                         37 " " Weizen,

                         19 " " Gerste,

                         102 " " Buchweizen,

                         8 " " Ackerbohnen,

                         6 " " Steck- und Kohlrüben,

                         28 " " Klee

besetzt. 4409 ha Ödland, das aus den geteilten Marken stammte, waren noch vorhanden, jedoch ist in den letzten 25 Jahren ein großer Teil in Kultur gesetzt worden.

Besondere Bodenschätze, wie Kohle, sind bis jetzt nicht gefunden. Das Moor liefert von altersher den Torf. Der weiße Torf wird wohl mit besonderen Maschinen zerkleinert und zur Streu verwendet. Der schwarze Torf dient als Brennmaterial und wird entweder mit einfachen Handgeräten gewonnen oder durch Maschinen als Preßtorf verarbeitet (Torfwerk Brettberg, gegründet 1900, Torfstreufabrik, Inhaber August Gellhaus, und Torfstreufabrik Wilmhoff).

Die in dem Hügelgelände gelagerten Tonmassen haben Anlaß gegeben zur Ziegelfabrikation. Einige Ziegeleibesitzer (Rießelmann, Wassenberg, Vulhop, Küstermeyer, Kirche) haben ihren Betrieb wieder aufgegeben, andere (Krogmann in Nordlohne, Kokenge) ihn erweitert. In neuerer Zeit entstanden auf dem kiesreichen Boden in der Nähe der Stadt Lohne mehrere Zementfabriken (Zerhusen, Eiken und Luers, Fahling, Ruholl).